20 Jahre Kongregation der Diener Jesu und Mariens – oder: Warum ich
jederzeit wieder in die SJM eintreten würde!
P. Paul Schindele
Wie alles begann
Am 30. Mai 1988 fuhren wir mit einem Kleinbus aus unserer
süddeutschen Heimat nach Wickstadt (bei Friedberg in Hessen), wo
Pater Andreas Hönisch, den wir seit Jahren als Bundeskuraten der KPE
kannten, im ehemaligen Pfarrhaus wohnte. Wir, das waren drei
Pfadfinder im Alter von 20 Jahren, die den Entschluss gefasst
hatten, eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen, in der die Ideale
des katholischen Pfadfindertums mit Priestertum und Ordensleben
harmonisch verbunden sein sollten. Das alles hört sich sehr einfach
an, so als ob es etwas ganz Alltägliches wäre, mal eben so einen
neuen „katholischen Orden“ ins Leben zu rufen. Wir drei waren aber
so unbedarft und stellten uns die Angelegenheit tatsächlich sehr
einfach vor. Vielleicht waren diese Naivität und diese Begeisterung
aber für so ein Unterfangen auch absolut notwendig.
Wer durchaus nicht so sorglos über unseren Plan dachte, das waren
verständlicherweise unsere Eltern, die ihre Söhne mit einigen
„Bauchschmerzen“ in dieses Abenteuer ziehen ließen. Die
„Bauchschmerzen“ waren aus ihrer Sicht mit Sicherheit berechtigt,
konnten sie doch die Tragweite unserer Pläne besser einschätzen, als
wir das selbst vermochten. Ihre Sorgen verbargen unsere Eltern
jedoch recht erfolgreich vor uns, ihren Söhnen. Das war wohl auch
das Beste, denn wir hätten uns wahrscheinlich doch nicht bremsen
lassen! Im Rückblick wissen wir natürlich die Bedenken unserer
Eltern durchaus zu würdigen und sehen ein, wie schwer es ihnen
fallen musste, ihre Söhne diesen Weg gehen zu lassen. Daher sind wir
unseren Eltern heute noch dankbar, dass sie uns mit soviel
Gottvertrauen ziehen ließen!
Und wer natürlich unserer Ankunft mit einiger Sorge
entgegenblickte, das war Pater Hönisch. Zwei Jahre früher, nach der
Heiligen Messe zur Feier des 10-jährigen Bestehens der KPE, hatten
wir ihn mit der Frage überrascht, ob es nicht möglich wäre, aus der
KPE heraus eine Ordensgemeinschaft zu gründen, in der man die uns
lieb gewordene Pfadfinderei mit dem katholischen Ordens- und
Priesterstand verbinden könnte. Überraschend war diese Frage für
Pater Hönisch vor allem aus dem Grund, weil die gleiche Idee ihn
früher selbst schon bewegt hatte – es gab sogar ein Grundsatzpapier
von ihm über so eine Gründung – er den Plan aber nach einigen wenig
verheißungsvollen Versuchen endgültig, wie er meinte, ad acta gelegt
hatte. Wie er später oft erzählte, spielte der Tauchsieder, mit dem
er in Wickstadt mangels Warmwasserboiler sein Waschwasser erhitzen
musste, und der stellvertretend für seine Armutsvorstellungen stand,
dabei eine für eventuelle Kandidaten sehr abschreckende Rolle! Von
all dem ahnten wir aber nichts, als wir just mit der gleichen Idee
bei ihm vorstellig wurden.
Wir hatten uns in der Folgezeit noch einige Male getroffen, um in
unseren Planungen konkreter zu werden. Manchmal waren bei diesen
Gesprächen auch weitere Interessenten oder zur Hilfe bereite
Priester mit von der Partie. Doch spätestens als es dann konkret
werden sollte, ahnte Pater Hönisch, dass er damit eine Aufgabe
übernehmen würde, die ihn wesentlich mehr noch herausfordern würde,
als dies die Mitbegründung der KPE schon getan hatte. In dieser
Hinsicht sah er die Schwierigkeiten, die eine solche Gründung mit
sich bringen würden, wesentlich klarer, als wir selbst dies taten.
Es fehlte auch nicht an Versuchen von seiner Seite, uns bei anderen
gut katholischen Gemeinschaften unter zu bringen. So brachte er uns
in Wickstadt mit Pater Kelly von den Legionären Christi in Kontakt,
der damals gerade begonnen hatte, seine Gemeinschaft auch im
deutschsprachigen Gebiet zu verbreiten. Noch heute ist mir dessen
dicke Bildmappe in Erinnerung, die dieser als Illustration seiner
(von Pater Hönisch abgesegneten) „Abwerbeaktion“ benutzte. In der
Tat, wir fanden seine Ausführungen sehr faszinierend, aber die
Legionäre waren nichts für uns – wir wollten etwas anderes!
Rückblickend, nach der Erfahrung von 20 Jahren SJM, sieht man
natürlich, dass damals offensichtlich der Liebe Gott selbst am Werk
war, der unsere Begeisterung benutzte, um ein neues Werk in der
Kirche in Gang zu setzen. Indem Pater Hönisch uns eventuelle
Alternativen aufzeigte, tat er nichts anderes, als zu prüfen, ob
unsere Absicht nur irgendwelche unausgegorenen eigenen Vorstellungen
waren, oder ob Gott tatsächlich dahinter stand. Und wer möchte es
Pater Hönisch verdenken, dass ihm manchmal etwas Angst vor der
Aufgabe wurde, die ihm der Himmel bei diesem Werk zugedacht hatte.
Es ist typisch für die Einstellung von Pater Hönisch, wenn es ihm in
den ersten Jahren nicht immer leicht fiel, sich mit seiner Aufgabe
in der SJM zu identifizieren. Nachdem ihn einige Jahre später aber
dann Rom zum ersten Generaloberen der jungen Gemeinschaft bestimmt
hatte – die Kirche das Werk also offiziell als von Gott kommend
bestätigte – war für ihn ganz klar, wo in Zukunft sein Platz zu sein
hatte.
Was aber wollten wir damals – was waren die Vorstellungen von
Pater Hönisch – was sieht die SJM heute noch als wesentlich für sich
an?
Der „Entwurf zur Errichtung der Gemeinschaft der Diener Jesu und
Mariens“
Es war der 30. Mai 1988 gewesen ist, an dem die ersten drei von
uns zu Pater Hönisch gestoßen waren. Der 30. Mai ist der Gedenktag
der hl. Johanna von Orléans. Wir sehen dieses Datum als
Gründungsdatum unserer Gemeinschaft an (im Unterschied zum 16. Juli
1994, dem Tag der päpstlichen Anerkennung). Im Herbst des gleichen
Jahres zogen wir von Wickstadt in Hessen nach Mussenhausen im Allgäu
um. Bischof Stimpfle von Augsburg hatte uns dort ein leer stehendes
Kapuzinerkloster als neue Heimstätte angeboten. Das ehemalige
Pfarrhaus in Wickstadt war zu klein für uns geworden. Inzwischen
waren weitere vier KPEler zu unserem Kreis hinzu gestoßen, sodass
wir ab Herbst mit Pater Hönisch zusammen 8 Personen waren. Zwei
Mitglieder, die die ersten Jahre mit uns zusammen waren, haben
später die Gemeinschaft in Frieden verlassen und sind heute noch
freundschaftlich mit uns verbunden, Pater Hönisch ist verstorben,
die übrigen fünf aus der allerersten SJM-Generation sind noch in der
Gemeinschaft.
Wie sollte die Gemeinschaft aussehen, die nun so langsam Gestalt
annahm? Uns allen war gemeinsam, dass wir seit Jahren Mitglieder in
der Katholischen Pfadfinderschaft Europas waren. Wir hatten unser
Pfadfinderversprechen abgelegt. Wir hatten das Leben in Lager und
auf Fahrt kennen und lieben gelernt. Und wir hatten die
Verantwortung für eigene Gruppen von Jungen übernommen, in denen wir
nach den bewährten Methoden des katholischen Pfadfindertums
arbeiteten. Man kann also durchaus sagen, dass wir Pfadfinder mit
„Leib und Seele“ waren.
Wir hatten aber auch erkannt, dass die Pfadfinderei mehr war, als
„Lagerfeuer, Halstuch und Sommerlager“. Sie war richtig verstanden
ein Lebensprogramm! Wir „Gründungsmitglieder der SJM“ nun wollten
die Pfadfinderarbeit auch als Priester und Ordensleute weiter
betreiben. Die pfadfinderische Lebenshaltung sollte ihre Fortsetzung
und Vertiefung im katholischen Ordensleben finden.
Ich habe weiter oben bereits bemerkt, dass sich Pater Hönisch
bereits vor dem ersten Gespräch mit uns über die Gründung einer
Gemeinschaft Gedanken gemacht hatte und dafür auch schon ein
Grundsatzpapier verfasst hatte. Dieses Grundsatzpapier arbeitete er
in der Gründungsphase der SJM zu einem „Entwurf für die Gründung der
Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens“ aus. In diesem Papier, das
nach wie vor für die SJM Geltung besitzt, heißt es unter anderem: „…
Die SJM ist hervorgegangen aus der Arbeit der KPE in Deutschland.
Sie baut auf deren Grundlagen auf und führt sie weiter. (…) So
sollen die vielen wertvollen Kräfte, die durch eine gute katholische
Pfadfinderarbeit in jungen Jahren freigelegt wurden, auf einer
höheren Ebene, nämlich der des Ordenslebens, dem Herrn des
Weinbergs, Christus, zur vollen Verfügung gestellt werden.“
Die SJM ist sich also ihrer „pfadfinderischen Wurzel“
durchaus bewusst und sieht in der Pfadfinderei nicht nur eine
hervorragende Möglichkeit katholischer Jugendarbeit. Vielmehr hält
sie das katholische Pfadfindertum für eine ideale Vorbereitung auf
den Ordensstand in der Katholischen Kirche. Mit dem Eintritt eines
begeisterten Pfadfinders in die SJM beginnt also nicht eine
grundlegend neue Lebensform, noch weniger bedeutet dieser Eintritt
einen Bruch, sondern die Fortführung und Entfaltung einer natürlich
äußerst wertvollen Lebensweise, die ihren Höhepunkt in dem Gott
geweihten Stand der Kirche findet.
Natürlich sind inzwischen längst nicht mehr alle Mitglieder der
SJM früher Pfadfinder gewesen. Auch ist die Pfadfinderei durchaus
nicht die einzige Art der Arbeit eines SJMlers, nicht einmal die
einzige denkbare Form der Jugendarbeit. Das wäre auch eine falsche
Einstellung, die die Wirkmöglichkeit unserer Gemeinschaft unnötig
einengen würde. Von der Lebenshaltung aber, von der Einfachheit des
Lebensstiles, von der spontanen Verfügbarkeit für jeden denkbaren
Einsatz in der Arbeit für das Reich Gottes, von der Bereitschaft zum
Abenteuer mit Gott soll jeder SJMler im Herzen ein Pfadfinder sein!
Damit der Leser des „Rufs des Königs“ dieses Wesensmerkmal der SJM
besser kennen lernen kann, haben wir in dieser Ausgabe zwei kurze
Artikel über die Pfadfinderei abgedruckt.
Die Wesensmerkmale der SJM
Was macht einen SJMler aus? Diese Frage lässt sich durch einen
aufmerksamen Blick in das von Pater Hönisch verfasste
„Grundsatzprogramm“ recht einfach beantworten:
Sehr früh in der Gründungsphase war uns klar geworden, dass wir
nicht eine Gemeinschaft von Weltpriestern sein wollten, sondern
eine Ordensgemeinschaft. Ebenso eine apostolisch tätige
Gemeinschaft, keine kontemplative: „… Sie ist eine Gemeinschaft von
Ordensleuten, deren Aufgabe darin besteht, in freiwillig gewählter
Bindung durch die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des
Gehorsams mit der Gnade Gottes (…) an der Heiligung des eigenen
Lebens zu arbeiten und sich zugleich mit allen Kräften für die
Rückführung der Menschen, vor allem der Jugend, zur Kirche
einzusetzen und ihr ganzes Leben einzig und allein der Ehre Gottes
und dem Heil der Seelen zu widmen.“
Ein SJMler ist also jemand, der sich durch das Ordensleben und
vor allem durch die drei Ordensgelübde fest an Gott und an eine
Ordensgemeinschaft bindet. Er verzichtet auf eigenen Besitz (den ein
Weltpriester legitim haben darf). Er ordnet sich freiwillig seinem
Ordensoberen unter in dem Bewusstsein, dass durch die rechtmäßige,
von der Kirche im Namen Gottes bestätigte Autorität, Gott selbst zu
ihm spricht. Er ist bereit, dahin zu gehen, wohin sein Oberer ihn
schickt und jene Aufgaben zu übernehmen, die ihm übertragen werden.
Natürlich schuldet auch ein Weltpriester seinen kirchlichen Oberen
Gehorsam und Ehrfurcht. Aber der Gehorsam des Ordensmannes erstreckt
sich auf wesentlich mehr und subtilere Bereiche als der Gehorsam des
Weltpriesters. Außerdem gelobt der SJMler die ehelose Keuschheit;
aus Liebe zu Gott (und nicht aus Verachtung des Standes der Ehe)
verzichtet er bewusst und freiwillig auf eine eigene Familie. Er
verzichtet auf die Liebe zu einem bestimmten Menschen, um in einer
umso universaleren Liebe alle Menschen zu umfassen.
Das Ordensleben ist der Stand, in dem sich ein Mitglied der SJM
um die Heiligung des eigenen Lebens bemüht. Wie der hl. Ignatius von
Loyola in den Regeln des Jesuitenordens schreibt, ist auf „echte und
vollkommene Tugenden und geistige Dinge“ mehr Wert zu legen, als auf
„Gelehrsamkeit oder andere natürlichen und menschlichen Gaben. Jene
inneren Dinge sind es, aus welchen die äußeren ihre Wirksamkeit
erhalten.“ Dies soll in keiner Weise den Wert von natürlichen und
menschlichen Gaben (incl. Gelehrsamkeit) bestreiten. Wichtiger aber
ist das geistliche Fundament, das Ordensleben, die vollkommene
Bindung an Gott. Aus dieser Bindung heraus erhalten alle anderen
Bemühungen erst ihren Sinn und ihre Fruchtbarkeit!
Von Anfang an war uns in der SJM klar, dass wir eine Gemeinschaft
sein wollten, die sich mit ganzer Kraft der Seelsorge widmen
sollte. Wir hatten das Glück gehabt, durch ein gutes Elternhaus,
durch gute Priester und durch eine katholische Pfadfinderbewegung im
Glauben gefestigt aufzuwachsen. Wo wir aber auch hinschauten,
erlebten wir das Gegenteil davon, erlebten wir, wie die Menschen den
Glauben verloren oder niemals kennen gelernt hatten. Unsere Aufgabe
sollte es sein, rastlos für das Heil der Seelen zu arbeiten.
Die Haltung, die wir anstreben, ist gut in einem Text aus der
Gründungszeit des Jesuitenordens ausgedrückt: „Wir sollen mit den
Waffen der Gerechtigkeit zu Schutz und Trutz, bei Ehre und bei
Schmach, bei Schmähung und bei Lob, in Glück und Unglück, behütet
durch die Mauer der Armut und der ehelosen Keuschheit, angeleitet
durch den heiligen Gehorsam in Eilmärschen zum himmlischen Vaterland
wandern, mit allen erdenklichen Mitteln und Mühen, andere mitreißen,
die größere Ehre Gottes immer suchend.“
Obwohl die meisten Mitglieder, die mit der Zeit zu unserer
Gemeinschaft gestoßen sind, Priester werden wollten, versteht sich
die SJM aber bewusst als eine Gemeinschaft von Priestern und
Brüdern. Es gibt so viele Möglichkeiten, in denen auch ein Bruder im
Ordensstand der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dienen kann. In
den vergangenen 20 Jahren hat es sich immer mehr gezeigt, dass
Brüder in der SJM ein breites und sehr fruchtbares und
verantwortungsvolles Arbeitsgebiet hätten. Wir beten daher darum,
dass Gott uns auch seeleneifrige und fromme Brüder schickt!
Spiritualität des hl. Ignatius von Loyola
Um ihr Ziel (die Heiligung des eigenen Lebens und die Rückführung
der Menschen zu Gott) zu erreichen, „sollen alle Mittel voll
ausgeschöpft werden, welche die heilige katholische Kirche in
jahrhundertelanger Erfahrung unter Einbeziehung der Gegenwart für
die Ordensleute bereitgestellt hat.“
Vor allem aber „sind die 30-tägigen Exerzitien des hl. Ignatius
von Loyola und seine Ordensregeln zu nennen, deren Spiritualität das
Leben der Mitglieder der SJM prägen sollen.“ Die SJM ist also,
obwohl sie keine Kopie des Jesuitenordens sein möchte, wesentlich
von der Spiritualität des hl. Ignatius und des Jesuitenordens
geprägt. Konstitutionen, Ordensregeln und Spiritualität der SJM
orientieren sich an dem Programm, das der hl. Ignatius seiner jungen
Gemeinschaft gegeben hat.
Dies ist natürlich kein Zufall: Pater Hönisch war mit Leib und
Seele Jesuit gewesen, auch nachdem er, weil er seine Arbeit in der
Jugend auf Anraten des damaligen Kardinals Ratzinger weiterführen
wollte, aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen worden war. Es war
immer sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, einmal auch äußerlich in
den Jesuitenorden zurückkehren zu können. Wir können wohl sicher
sein, dass der hl. Ignatius mit seinem geistlichen Sohn zufrieden
ist.
Für die Gründungsgeneration der SJM war es klar, dass die SJM
eine Gemeinschaft im Geiste des Jesuitenordens sein sollte. Es war
ja auch so, dass das katholische Pfadfindertum, aus dem wir
hervorgegangen waren, historisch stark durch Jesuiten geprägt worden
war, man denke nur an den bekannten französischen Jesuiten und
Pfadfinderkuraten Père Jacques Sevin.
Neben dem Wahlspruch des hl. Ignatius – „Alles zur größeren Ehre
Gottes“ – und der typisch jesuitischen Weite, die in allen nur
denkbaren Bereichen und Arbeitsgebieten zu dieser größeren Ehre
Gottes und zum Heil der Seelen arbeiten wollte (vgl. den Artikel in
dieser Ausgabe des „Rufs des Königs“: „Gott finden in allem“),
drücken folgende Gebete vor allem den Geist des hl. Ignatius aus,
dem wir uns in der SJM verpflichtet fühlen. Es sind dies das Gebet
„Ewiges Wort“ (gleichzeitig das „Pfadfindergebet“ in der KPE) und
das „Suscipe“ („Nimm hin, o Herr“):
„Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes! Lehre mich die wahre
Großmut, lehre mich Dir dienen, wie Du es verdienst: geben, ohne zu
zählen; kämpfen, ohne der Wunden zu achten; arbeiten, ohne Ruhe zu
suchen; mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten. Mir genüge das frohe
Wissen, Deinen heiligen Willen erfüllt zu haben.“
„Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit! Nimm hin mein
Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und
besitze, hast Du mir geschenkt. Ich gebe es Dir wieder ganz und gar
zurück und überlasse alles Dir, dass Du es lenkest nach Deinem
heiligen Willen! Nur Deine Liebe schenke mir mit Deiner Gnade und
ich bin reich genug und suche nichts weiter!“
Und noch eine Besonderheit
Es ist klar, dass zu einem SJMler auch die für einen Priester und
Ordensmann üblichen Gebetsverpflichtungen gehören sollen. Also neben
der täglichen Feier der Hl. Messe und dem Breviergebet auch der
tägliche Rosenkranz und der regelmäßige, wenn möglich wöchentliche
Empfang des Bußsakramentes. Als besondere Gebetsübungen, die aus den
Exerzitien des hl. Ignatius stammen, wären noch das zweimalige
Examen (ausführliche Gewissenserforschung) am Tag und die Übung des
betrachtenden Gebets zu nennen.
Und dennoch legte Pater Hönisch von Anfang an auf eine kleine,
aber ganz entscheidende Gebetsübung besonderen Wert. Es war dies die
Weihe an das Göttliche Herz Jesu und an das Unbefleckte Herz
Mariens. Diese Weihe wird für die gesamte Gemeinschaft bei
zahlreichen Gelegenheiten gemeinsam feierlich erneuert und jedes
Mitglied hat sie täglich kurz mit eigenen Worten zu beten und vor
allem zu leben. Das bedeutet: Jeder Einzelne und die gesamte
Gemeinschaft betrachten sich als Eigentum Jesu und Mariens, über das
diese beiden völlig frei verfügen können. Nach der Überzeugung von
Pater Hönisch sollte die Treue zu dieser Weihe der Garant für die
Treue jedes einzelnen Mitgliedes und der gesamten Kongregation zu
ihrer Berufung sein!
Der Name der
Gemeinschaft – ein Programm
Der Name unserer Gemeinschaft drückt unser Selbstverständnis aus:
„Diener Jesu und Mariens“. Es geht nicht darum, aus eigener Kraft
Großes für das Reich Gottes zu vollbringen. Vielmehr wollen wir
Diener Jesu und seiner Mutter sein. Ein guter Diener bemüht sich,
seinem Herrn (seiner Herrin) jeden Wunsch von den Augen abzulesen.
Ein guter Diener „verwirklicht nicht sich selbst“, vielmehr weiß er,
dass er seine Bestimmung dann erfüllt, wenn er ganz im Dienst seiner
Herrschaft aufgeht. Es gilt aber ebenso: In der Nachfolge des Herrn,
in seinem Dienst und in seiner Kraft können wir wahrhaft Großes
vollbringen, viel Größeres, als wenn wir nur auf die eigene Kraft
angewiesen sind.
Mit diesem „Diener sein“ eng verknüpft ist auch das Leben „nach
dem kleinen Weg der hl. Theresia vom Kinde Jesu“. Für Pater Hönisch
war es klar, dass er nie nach kirchlichen oder weltlichen Ehren
streben dürfe. Und das hat er ja auch bis zum Ende seines Lebens, ja
eigentlich über sein Leben hinaus, durchgehalten. So will auch die
SJM ihren bescheidenen Beitrag zur Rückführung der Welt zu Christus
leisten, ohne nach Ehre und Anerkennung zu streben.
Und der „Biritualismus“
Sie werden vielleicht in der bisherigen Aufzählung der
wesentlichen Eigenschaften der SJM unsere Liebe zum „Alten Ritus“
(Feier der Hl. Messe in der „forma extraordinaria“) vermissen. Es
ist richtig: Die SJM hat eine große Liebe zur Feier der Hl. Messe
nach dem Missale von 1962. Unsere Priester zelebrieren die Hl. Messe
häufig (öffentlich und privat) in dieser Weise. Und wir sind dem Hl.
Vater von Herzen dankbar, dass er durch das Motu proprio „Summorum
Pontificum“ allen Priestern und den Gläubigen dazu verholfen hat,
die Hl. Messe in dieser ehrwürdigen Form feiern zu können.
Ursprünglich geplant hatten wir in den Anfängen der SJM den
inzwischen für die SJM typischen „Biritualismus“ jedoch nicht.
Aus Anlass seines 25-jährigen Priesterjubiläums erhielt Pater
Hönisch die Erlaubnis, die „Jubiläumsmesse“ im „Alten Ritus“ zu
feiern. Bischof Stimpfle als sein damaliger Ordinarius erlaubte ihm
gerne, von Zeit zu Zeit in dieser Form des Römischen Messritus zu
zelebrieren. Und damit kam „der Stein ins Rollen“. Wir entdeckten
den liturgischen und geistlichen Reichtum, der in der
„außergewöhnlichen Form“ der Hl. Messe enthalten ist. Und wir
wollten diesen Reichtum für uns und die uns anvertrauten Gläubigen
nicht mehr missen.
Andererseits waren wir im „Neuen Ritus“ aufgewachsen und schätzen
ihn ebenfalls. Wenn irgendwie möglich, wollten wir das Messopfer
also in beiden Formen feiern. Es war somit von Anfang an nicht
beabsichtigt, dass die SJM eine der Gemeinschaften der Kirche werden
sollte, die die Hl. Messe nur in der „forma extraordinaria“ feiert.
Schon in den ersten Jahren der SJM prägte Pater Hönisch das Wort von
der „Reform der Reform“, der sich unsere Gemeinschaft verpflichtet
fühlen sollte und dabei ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Dass
wir in dieser „vermittelnden Sicht der Liturgie“ einmal durch das
Motu proprio von Papst Benedikt XVI. bestätigt werden würden,
konnten wir natürlich nicht ahnen. Es hat uns aber sehr gefreut!
Zurück zur
geschichtlichen Entwicklung der SJM
Wie ging es nach unserer Umsiedelung nach Mussenhausen im Allgäu
weiter? -- Die äußere Entwicklung ging sehr rasch: Schon
nach wenigen Jahren waren wir über 20 Mitglieder. 1992 konnten wir
die erste Priesterweihe eines SJM’lers feiern. Ähnlich rasch verlief
die kirchliche Anerkennung. Dank der Unterstützung von Dr. Ingo
Dollinger und Pater Petrus Canisius vom Kreuzorden, der leider schon
verstorben ist, erhielten wir schon 1990 nach einem Besuch bei der
Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ ein offizielles Schreiben von
deren 1. Vorsitzenden, Augustin Kardinal Mayer OSB, in dem erklärt
wurde, dass der Heilige Stuhl „Hand an dieses Werk“ gelegt hat. Vier
Jahre später, am 16. Juli 1994, errichtete der neue Präsident von
Ecclesia Dei, Antonius Kardinal Innocenti, die SJM als Kongregation
päpstlichen Rechtes. In all den Jahren seit unserem ersten Besuch
1990 bei der Kommission hat uns ihr Sekretär (inzwischen 2.
Vorsitzender), Prälat Camillus Perl, in vielerlei Art und Weise
unterstützt.
Im gleichen Jahr allerdings kündigte die Diözese Augsburg unserer
Gemeinschaft das Wohnrecht im Alten Kloster von Mussenhausen auf und
wir waren gezwungen, das Mutterhaus der SJM nach Blindenmarkt in der
Diözese St. Pölten in Österreich zu verlegen. Das war natürlich
nicht nur für uns selbst, sondern vor allem für die Bewohner von
Mussenhausen, denen wir viel zu verdanken haben, sehr schmerzlich.
Andererseits bedeutete der Umzug für uns auch einen Schritt hinaus
in die Weite der Weltkirche. Der Liebe Gott kann eben aus den
unmöglichsten Situationen heraus etwas Gutes bewirken.
Die weitere Entwicklung lässt sich an einigen Fakten aufzeigen:
Im Jahr 2000 wurden unsere Konstitutionen endgültig durch den
Vatikan anerkannt. Es gab seither zwei reguläre Generalkapitel (2000
und 2006), bei denen unter anderem jeweils Pater Hönisch zum
Generaloberen (wieder)gewählt wurde. Die SJM zählt im Augenblick 30
Priester, die mit einer Ausnahme alle aus der Gemeinschaft selbst
hervorgegangen sind. Neben dem deutschsprachigen Raum arbeiten
unsere Patres in Frankreich, Rumänien und Kasachstan.
Und die „innere Entwicklung“?
Man kann mit Recht sagen, dass wir am Anfang der SJM keinerlei
Vorstellung davon hatten, was da alles auf uns zukommen würde. Wir
waren reichlich unbedarft und hatten nichts weiter als unsere
Begeisterung für diese Sache. Diese allerdings war auch durch keinen
Rückschlag zu bremsen. Aber offensichtlich war dies genug für den
Lieben Gott. Den Rest wollte er selbst tun – und er hat, was man
nach 20 Jahren im Rückblick sagen kann, zielstrebig, durch manche
Höhen und Tiefen hindurch, an seinem Werk gearbeitet. Denn sein Werk
ist die SJM und niemals das unsere, und dabei soll es auch immer
bleiben!
Mit dem Tod von Pater Hönisch ist nun eine erste Phase
abgeschlossen. Wir können Gott nicht genug danken, dass er uns
diesen erfahrenen Ordensmann 20 Jahre lang als Oberen und Vorkämpfer
gelassen hat! Es war immer gut zu wissen, dass „der Alte“ (so nannte
er sich oft selbst im Scherz) da war, der notfalls „die Sache schon
zurecht rücken würde“. Nun aber hat Gott entschieden, dass „wir auf
eigenen Beinen stehen sollen“. Es wird dies eine neue Phase in der
Geschichte der SJM sein und sie wird nicht einfach werden. Neben dem
Gebet unserer Freunde und Wohltäter vertrauen wir vor allem auf
Gottes Vorsehung und Güte!
Was bleibt zum Schluss noch zu sagen?
Ich habe in der Überschrift zu diesem Artikel bewusst
geschrieben: „oder: Warum ich jederzeit wieder in die SJM eintreten
würde!“ Es wäre natürlich dumm, unsere Gemeinschaft als etwas
Besonderes darzustellen. Wir haben im letzten „Ruf des Königs“ den
Anfang des letzten „Editorials“ von Pater Hönisch veröffentlicht. In
diesem wird ganz deutlich, dass er selbst „mit dem letzten Platz“
zufrieden sein wollte. Ganz das gleiche muss auch für die SJM
gelten. Wenn es dem Lieben Gott gefällt, dass er durch unsere
Gemeinschaft segensreich in der Welt und für die Kirche wirken
möchte, wollen wir ihm von Herzen dankbar sein – von uns aus sind
wir dazu nicht fähig.
Dennoch dürfen wir dankbar anerkennen, was der Herr in den
vergangenen 20 Jahren gewirkt hat. Die SJM ist sein Werk, was er
durch die Anerkennung durch die Kirche auch bestätigt hat. Wir sind
ihm dankbar dafür, dass er für uns „Abenteurer Gottes“ einen Platz
in der Kirche gefunden hat. Wir wollen Ihn bitten, uns möglichst
viele weitere Abenteurer zu schenken, die bereit sind, sich Ihm ganz
zu schenken und ganz für Ihn da zu sein. Und wir wollen Ihn bitten,
unsere Gemeinschaft und ihr Wirken mit seinem Segen zu begleiten.
Pater Hönisch hat sich immer „100 SJM-Priester“ gewünscht. Leider
konnte er das Erreichen dieses Zieles nicht mehr erleben. Vielleicht
kann er uns aber durch die Fürsprache der Himmelskönigin, die auch
Königin der SJM ist, am Throne Gottes diese Gnade erbitten!
P. Paul Schindele SJM
