Das Sakrament der Ehe

Der Mensch von Gott als Mann und Frau erschaffen (vgl. Gen 1,27) ist natürlicherweise zum Leben miteinander berufen. Wir kennen um des Himmelreiches willen, und wegen anderer Gründe (vgl. Mt 19, 12, siehe Ordensstand) Ausnahmen davon.

Diese natürliche Berufung des Menschen zum Zusammenleben als Mann und Frau hat zum Ziel das Wohl der Eheleute und die Zeugung und Erziehung von Nachkommen. Beides darf davon nicht ausgenommen werden. Durch die Folgen der Erbsünde (siehe dort) ist dieses Zusammenleben zwar vielfältiger Störung ausgesetzt; dennoch aber ist es von Gott gewollt und sogar durch Jesus Christus zum Sakrament erhoben worden.

Die Enzyklika "Humanae Vitae" schreibt über die eheliche Liebe (Nr. 8-9):

Papst Paul VI. († 1978)

Aus der Enzyklika „Humanae Vitae", 8-9

Die eheliche Liebe

"Die eheliche Liebe zeigt sich uns in ihrem wahren Wesen und Adel, wenn wir sie von ihrem Quellgrund her sehen: von Gott, der „Liebe ist" (vgl. l Joh 4,8), von ihm, dem Vater, „nach dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen trägt" (vgl. Eph 3,15).

Weit davon entfernt, das bloße Produkt des Zufalls oder Ergebnis des blinden Ablaufs von Naturkräften zu sein, ist die Ehe in Wirklichkeit vom Schöpfergott in weiser Voraussicht so eingerichtet, dass sie in den Menschen seinen Liebesplan verwirklicht. Darum streben Mann und Frau durch ihre gegenseitige Hingabe, die ihnen in der Ehe eigen und ausschließlich ist, nach jener personalen Gemeinschaft, in der sie sich gegenseitig vollenden, um mit Gott zusammenzuwirken bei der Weckung und Erziehung neuen menschlichen Lebens.

Darüber hinaus hat für die Getauften die Ehe die hohe Würde eines sakramentalen Gnadenzeichens und bringt die Verbundenheit Christi mit seiner Kirche zum Ausdruck.

In diesem Licht wird die besondere Eigenart und Forderung der ehelichen Liebe deutlich. Es kommt sehr darauf an, dass man davon die rechte Vorstellung hat.

An erster Stelle müssen wir sie als vollmenschliche Liebe sehen; das heißt als sinnenhaft und geistig zugleich. Sie entspringt darum nicht nur Trieb und Leidenschaft, sondern auch und vor allem einem Entscheid des freien Willens, der darauf hindrängt, in Freud und Leid des Alltags durchzuhalten, ja dadurch stärker zu werden: so werden dann die Gatten ein Herz und eine Seele und kommen gemeinsam zu ihrer menschlichen Vollendung.

Weiterhin ist es Liebe, die aufs Ganze geht; jene besondere Form personaler Freundschaft, in der die Gatten alles großherzig miteinander teilen, weder unberechtigte Vorbehalte machen noch ihren eigenen Vorteil suchen. Wer seinen Gatten wirklich liebt, liebt ihn um seiner selbst willen, nicht nur wegen dessen, was er von ihm empfängt. Und es ist seine Freude, dass er durch seine Ganzhingabe bereichern darf.

Die Liebe der Gatten ist zudem treu und ausschließlich bis zum Ende des Lebens; so wie sie Braut und Bräutigam an jenem Tag verstanden, da sie sich frei und klar bewusst durch das gegenseitige eheliche Jawort aneinander gebunden haben. Niemand kann behaupten, dass die Treue der Gatten - mag sie auch bisweilen schwer werden - unmöglich sei. Im Gegenteil. Zu allen Zeiten hatte sie ihren Adel und reiche Verdienste. Beispiele sehr vieler Ehepaare im Lauf der Jahrhunderte sind der Beweis dafür: Treue entspricht nicht nur dem Wesen der Ehe, sie ist darüber hinaus eine Quelle innigen, dauernden Glücks.

Diese Liebe ist schließlich fruchtbar, da sie nicht ganz in der ehelichen Vereinigung aufgeht, sondern darüber hinaus fortzudauern strebt und neues Leben wecken will."

Aus diesem Text werden zu dem die Grundeigenschaften der Ehe klar: Einheit und Unauflöslichkeit zwischen einem Mann und einer Frau für die Dauer des ganzen Lebens. Außerdem wird gesagt das der geschlechtliche Akt allein der Ehe vorbehalten ist.

Der Text weist schließlich noch auf den geistlich tiefsten Aspekt der Ehe hin. Die Ehe ist ein Realsymbol des Bundes Christi mit seiner Kirche (vgl. Eph 5, 28-33).