Zu Beginn dieser Darstellung sei unser Blick auf die Erbsünde gelenkt. Das deswegen, weil sie im Leben der Menschen vieles durch ihre Realität erklärt, die der Glaube uns lehrt, die wir aber auch Ansatzweise durch ein waches Auge erkennen können.
Der berühmte englische Kardinal Newman (1801-1890) hat einmal gesagt, dass er sich den Zustand des Menschengeschlechtes mit all den Nöten, Kriegen, Gewalttaten und Ängsten, die wir durchstehen müssen nur erklären kann, durch einen großen Bruch, der einmal zwischen Gott und den Menschen stattgefunden haben muss. Das ist eben die Erbsünde.
Die Erbsünde nahm ihren Anfang in der Ursünde der Stammeltern des Menschengeschlechtes. In dem Sündenfall Adams und Evas. Diese haben ein Prüfungsgebot Gottes, nämlich nicht von dem Baum der Erkenntnis zu essen, übertreten. Dies war eine schwere und vor allem für uns folgenschwere Verfehlung. Der Satan hatte sie verführt. Gott entzog den Stammeltern seine Lebensgemeinschaft mit ihm, der sie sich bis dahin erfreuten. Gott und die Sünde sind eben unvereinbar, weil Gott lauterste Heiligkeit ist.
Diese Schuld nun pflanzt sich nach dem gerechten Willen Gottes fort in der Erbsünde durch alle folgenden Menschengeschlechter. Durch die natürliche Fortpflanzung wird sie weiter vererbt und ist eine je persönliche Schuld (wenn auch nicht persönlich begangen) jedes Menschen, deswegen wird sie Erbsünde genannt. Warum hat Gott dies so verfügt? Wir können uns darüber Gedanken machen, weil er es auch anders hätte tun können.
Die Menschheit ist von Gott offensichtlich als eine große Familie gedacht. Wir teilen uns untereinander natürliche Gaben und Wissen mit, um uns die Welt untertan zu machen, um auf der Welt leben zu können. Das haben die Menschen über alle Jahrtausende der Geschichte so gemacht. Im Laufe der Zeit drangen wir so immer tiefer in die Geheimnisse der Menschen und der Natur ein. Ein Einzelner wäre dazu nie in der Lage. All das geht nur durch ein gewaltige gemeinsame Anstrengung. Diese Zusammengehörigkeit der Menschen zum gemeinsamen Nutzen wollte Gott nun auch bezüglich des Lebens mit ihm. So wirkte sich die Trennung der Menschen von ihrem Anbeginn aus auf alle Nachfahren, da die Gabe der Lebensgemeinschaft mit Gott dem Menschengeschlecht entzogen wurde.
Die Erbsünde bedeutet den Entzug der Lebensgemeinschaft mit Gott. Durch die Sünde kam auch der Tod, die Leiden und der Hang zum Bösen in die Welt, außerdem wurden der Wille und die Erkenntniskraft des Menschen geschwächt.
Gott ist gerecht und deswegen auch die Wirklichkeit der Erbsünde. Aber Gott hat sich unser erbarmt durch seine Menschwerdung in Jesus Christus, durch sein Leiden und Sterben am Kreuz. Die Liebe Gottes wollte uns nicht in dieser Not belassen, sondern uns erlösen, wenn wir sein Angebot annehmen.
Die Taufe ist das notwendige Mittel um uns von der Erbsünde zu befreien. Sie löscht sie in uns aus und befreit uns auch von persönlichen Sünden, die vor der Taufe begangen wurden. Der Getaufte ist so Kind Gottes und erfreut sich wieder der Lebensgemeinschaft mit Gott. Die übrigen Folgen der Erbsünde verbleiben als eine Prüfung im Menschen (also Tod, Leiden, Hang zum Bösen, Schwächung des Willens und der Erkenntniskraft). Der getaufte Mensch wird, wenn er keine schwere Sünde begeht, bei seinem Tod nicht verloren gehen.
Damit wird klar warum die Taufe für das Heil des Menschen unersetzlich ist. Auch alle anderen Sakramente können nur vom Getauften empfangen werden. Z.B. kann er sich durch die heilige Beichte immer wieder von seinen späteren Sünden reinigen. Die Taufe selbst kann nur einmal empfangen werden.