Die Kirche

Was ist die Kirche?

Darüber wird es unter unseren Zeitgenossen die unterschiedlichsten Ansichten geben. Wenn wir die Berichte der Heiligen Schrift, besonders des Neuen Testamentes über Jesus und seine Jünger betrachten, so sehen wir, dass die Gründung der Kirche auf Jesus selbst zurückgeht (am deutlichsten wohl Mt 16, 18f).

Nehmen wir uns dann selbst in den Blick: Als Getaufte Christen wohnt Gott selbst in uns, wenn wir uns nicht durch die schwere Sünde von ihm getrennt haben. Wir verherrlichen Gott dadurch, dass er in uns wohnt. Es ist sein Wohlgefallen in uns zu leben (siehe auch bei der Erbsünde, bezüglich der Taufe). Die Heilige Schrift sagt: "Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?" (1 Kor 6,19)

Schauen wir dann darauf, was in der Kirche an uns geschieht:

- Wir empfangen das göttliche Leben in uns durch die hl. Sakramente, vor allem immer wieder durch die Hl. Eucharistie und die hl. Beichte.

- Wir hören den Glauben aus der Offenbarung Gottes, die uns die Kirche überliefert und auslegt. Abgestuft in ihren Lehräußerungen, in der Glaubensunterweisung und Predigt.

- Wir werden von den Nachfolgern des Hl. Petrus und der Apostel geleitet. (vgl. z.B. Jo 21,15ff.)

Diese drei Merkmale der Kirche sind:

Das Priesteramt (besonders bzgl. der Sakramente), das Lehramt und das Hirtenamt.

Es sind aber auch die Merkmale Jesu Christi. Er ist der Hohepriester (sein Kreuzesopfer erwirbt allen Menschen, die es annehmen die Erlösung), der höchste Lehrmeister und der höchste Hirte.

Damit aber tritt in den Blick, was die Kirche ist. Sie ist gewissermaßen Christus selbst; denn sie führt seine Aufgaben in seinem Auftrag weiter und er lebt in ihr und der Heilige Geist durchströmt sie.

Sie ist der mystische Leib Christi, der geheimnisvolle Leib Christi erbaut aus lebendigen Steinen. (vgl. 1 Petr 2,5) Glieder an seinem Leib sind wir durch die Taufe und sein göttliches reales Leben in uns. Diese verhüllte, geheimnisvolle Wirklichkeit soll uns immer wieder mit großer Freude und Dank erfüllen.

Die Kirche lieben heißt also Jesus lieben und Jesus lieben heißt die Kirche lieben.

In dieser gnadenvollen, übernatürlichen, weil göttlichen Gemeinschaft können wir füreinander eintreten, durch Gebet, gute Werke und freiwilligen Verzicht, wie es auch Jesus für uns getan hat.

Trotz dieser hohen Würde der Kirche besteht sie aus Menschen, die wie alle Sünder sind. Das erklärt ihre Makeln und Runzeln, die auch den mystischen Leib Christi nicht immer voll erkennbar machen. Aber das innerste Wesen der Kirche ist heilig, weil es Christus selbst ist und von diesem Antlitz Christi in der Kirche wissen wir und sollen uns davon führen lassen.

Ein Glied des Leibes Christi wird, wenn es seiner Aufgabe entspricht, vom Heiligen Geist geführt. Dies geschieht in den meisten Fällen ohne besondere Erleuchtungen, sondern einfach im Leben der jeweiligen Standespflichten und im allgemeinen Bemühen um ein christliches Leben. So zitiert Papst Johannes Paul II. die hl. Kirchenlehrerin Theresia vom Kinde Jesu: „Ich verstand, dass die Kirche ein Herz hatte und dass dieses Herz von Liebe entflammt war. Ich verstand, dass nur die Liebe die Glieder der Kirche handeln ließ [...]. Ich verstand, dass die Liebe alle Berufungen einschloss, dass die Liebe alles war." (Novo Millennio Ineunte, Nr. 42)