Das Ordensleben -

Das Leben nach den drei evangelischen Räten

 

Entwicklung:

Zu Beginn wurde das Christentum durch das Römerreich blutig verfolgt. Der Glaube an einen Gott und das Messiasbekenntnis, sowie die hohen christlichen Moralforderungen waren den römischen Vorstellungen entgegengesetzt. Zu Tausenden wurden die Christen den wilden Tieren vorgeworfen oder getötet, wenn sie nicht den Göttern opferten. Der Glaube gab diesen Christen die Kraft auch ihre Überzeugung bis in den Tod hinein durchzuhalten.

Die Kirche sah von Anfang den Tod dieser Menschen nicht als vergebens an, sondern als eine besondere Auszeichnung Gottes. Ein Märtyrer, der also für das Bekenntnis seines Glaubens sogar sein Leben hingibt, wird von Gott sofort in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen.

Was gab diese Kraft zur Hingabe des eigenen Lebens. Eine Glaubensüberzeugung, die so existentiell verwurzelt ist, dass sie sogar die Androhung der Lebensauslöschung nicht erschüttern konnte. Letztlich ist dies ein Werk Gottes in den Menschen. Sicherlich haben vielfach diese Menschen ihren Glauben zuerst mit solcher Hingabe in den kleinen Dingen des Alltags gelebt, dass sie schließlich fähig wurden auch ihr Leben für Christus zu geben.

Diese heroische Zeit der Märtyrer endete schließlich, als das Christentum unter Kaiser Konstantin Staatsreligion des Römerreiches wurde. Sanguis Martyrum Semen Christianorum - Das Blut der Martyrer ist der Samen neuer Christen. Die grausame Verfolgung konnte das Christentum nicht auslöschen, im Gegenteil es wurde gerade dadurch gestärkt.

Für die Christen begann damit eine Ära friedlichen Lebens, jedoch ohne die Möglichkeit Christus die Liebe sogar bis zum Blutvergießen unter Beweis zu stellen, wenn es, ohne es herbei zu suchen, von einem gefordert würde. Der Heilige Geist drängte die Menschen zu allen Zeiten zu einer engeren Christusverbundenheit. So suchten nun einige Menschen Christus als Einsiedler mehr nachzufolgen. Nur noch für ihn wollten sie leben und durch das Gebet und Opfer ihres Lebens für die Mitmenschen bei Gott eintreten.

Bald schlossen sich auch welche von ihnen zusammen und bildeten so die ersten Anfänge von Ordensgemeinschaften. Der hl. Benedikt (etwa 480-547) gilt als Vater des abendländischen Mönchtums. Auf ihn geht der Benediktinerorden zurück. Von da an entstanden im Laufe der Kirchengeschichte immer neue Gemeinschaften. Die weiteren klassischen Gründungen sind: Im 13. Jahrhundert die Franziskaner und die Dominikaner, sowie im 16. Jahrhundert die Jesuiten. Die neueren Gründungen nach den Jesuiten werden eigentlich nicht mehr Orden, sondern Kongregationen genannt.

 

Die drei evangelischen Räte

Die Lebensform der Ordensgemeinschaften richtet sich nach den drei evangelischen Räten der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Sie heißen so weil sie sich aus den Weisungen des Evangelium für eine vertiefte Christusnachfolge erwachsen. Hierzu ein Zitat aus dem II. Vatikanischen Konzil, das diese Zusammenhänge deutlich macht:

II. Vatikanisches Konzil (1962-1965)

Aus dem Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens „Perfectae caritatis".

Art. 1.5.6.12.25

Die Kirche folgt Christus, ihrem einzigen Bräutigam

"Von Anfang an gab es in der Kirche Männer und Frauen, die durch Befolgung der evangelischen Räte Christus in größerer Freiheit nachzufolgen und ihn ausdrücklicher nachzuahmen verlangten und die - jeder auf seine Weise - ein Leben führten, das Gott geweiht war. Viele wählten unter dem Antrieb des Heiligen Geistes ein Einsiedlerleben, andere gaben den Anstoß zu religiösen Gemeinschaften, die von der Kirche kraft ihrer Vollmacht gern unterstützt und bestätigt wurden. So erwuchs nach göttlichem Ratschluss eine wunderbare Vielfalt von Ordensgemeinschaften, die sehr dazu beitrug, dass die Kirche nicht nur zu jedem guten Werk gerüstet (vgl. 2 Tim 3, 17) und für den Dienst am Aufbau des Leibes Christi (vgl. Eph 4, 12) bereit ist, sondern auch mit den mannigfaltigen Gnadengaben ihrer Kinder wie eine Braut für ihren Mann geschmückt dasteht (vgl. Offb 21, 2) und die vielgestaltige Weisheit Gottes kundtut (vgl. Eph 3, 10). Inmitten der Vielfalt der Gnadengaben weihen sich alle, die von Gott zum Leben der evangelischen Räte berufen werden und dieses aufrichtig geloben, in besonderer Weise dem Herrn, indem sie Christus nachfolgen, der selbst jungfräulich und arm gelebt (vgl. Mt 8, 20; Lk 9, 58) und durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2, 8) die Menschen erlöst und geheiligt hat. Von der Liebe gedrängt, die der Heilige Geist in ihre Herzen ausgegossen hat (vgl. Rom 5, 5), leben sie mehr und mehr für Christus und seinen Leib, die Kirche (vgl. Kol 1, 24). Je inniger sie also durch solche Selbsthingabe, die das ganze Leben umfasst, mit Christus vereinigt werden, desto reicher wird das Leben der Kirche und desto fruchtbarer deren Apostolat.

Die Mitglieder aller Institute sollen sich bewusst bleiben, dass sie durch ihr Gelöbnis der evangelischen Räte vor allem einem göttlichen Ruf geantwortet haben und dadurch nicht nur der Sünde gestorben sind (vgl. Röm 6, 11), sondern auch der Welt entsagt haben, um Gott allein zu leben; denn sie haben ihr ganzes Leben seinem Dienst überantwortet. Das begründet gleichsam eine besondere Weihe, die zutiefst in der Taufweihe wurzelt und diese voller zum Ausdruck bringt.

Wer sich auf die evangelischen Räte verpflichtet, muss vor allem Gott, der uns zuvor geliebt hat (vgl. 1 Joh 4,10), suchen und lieben und sich in allen Lebensumständen bemühen, ein mit Christus verborgenes Leben (vgl. Kol 3, 3) zu führen. Daraus fließt die Nächstenliebe zum Heil der Welt und zum Aufbau der Kirche und erhält neuen Antrieb. Diese Liebe beseelt und leitet auch selbst wieder die Verwirklichung der evangelischen Räte.

Die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12), zu der die Ordensleute sich verpflichten, soll von ihnen als überaus hohe Gnadengabe angesehen werden. Sie macht das Herz des Menschen in einzigartiger Weise für eine größere Liebe zu Gott und zu allen Menschen frei (vgl. 1 Kor 7, 32-35). Darum ist sie ein besonderes Zeichen für die himmlischen Güter und für die Ordensleute ein vorzügliches Mittel, sich mit Eifer dem göttlichen Dienst und den Werken des Apostolats zu widmen. So rufen sie allen Christgläubigen jenen wunderbaren Ehebund in Erinnerung, den Gott begründet hat und der erst in der kommenden Welt ganz offenbar wird, den Ehebund mit Christus, ihrem einzigen Bräutigam."

Zur Armut

Christus hat selbst arm gelebt (s.o.). Er weißt uns zudem daraufhin, dass ein Mensch, der sich an die Güter dieser Welt hängt, unfähig wird für das Reich Gottes (vgl. z.B. Lk 12, 13-21). Das gilt für jedes Menschenleben. Ein bewusster Verzicht auf die freie Verfügung über die Güter der Welt, wie es durch das Gelübde der Armut geschieht, macht uns freier für die immateriellen Güter der künftigen Welt. Christus sagt, "wo dein Schatz ist da ist auch dein Herz". Die Verfügung über die Dinge, die man für das Leben und die apostolischen Aktivitäten der Ordensgemeinschaft benötigt, erfolgt in Übereinkunft mit den Oberen.

Zur Keuschheit

Darunter versteht man den vollständigen Verzicht auf ein eheliches Zusammenleben. Dies schließt den Geboten Gottes gemäß den Verzicht auf die Betätigung der Geschlechtskraft mit ein. Wie in obigem Zitat zu ersehen war, wird man dadurch frei für den ungeteilten Dienst vor Gott und für die Menschen. Die Ehe mit ihrer Bindung an Frau und Kindern schränkt den Dienst der Gatten naturgemäß zunächst ein auf die Sorge um das Wohlergehen der Anvertrauten. Das Ordensleben hingegen stellt den Menschen frei für einen umfassenderen Dienst zur Ehre Gottes und für das zeitliche und ewige Leben der Menschen. Auch wird der allen Menschen in der Liebe Gottes angebotene Lebensbund mit Christus, der sich einmal im Himmel vollenden wird, bereits auf Erden sichtbar gemacht. Der Herr sagt uns ja, das man im Himmel nicht mehr in der Ehe leben wird (Mt 22, 30).

Zum Gehorsam

Der Gehorsam bedeutet den Verzicht auf die freie Selbstbestimmung. Der Liebende sucht dem Geliebten zu gefallen, so zu handeln, wie dieser es möchte. Das erleben wir schon in der echten Liebe zwischen Menschen. Echte Gottesliebe sucht es umso mehr gegenüber Gott. Der gläubige Mensch sucht oft den Willen Gottes zu erkennen, um sich so danach ausrichten zu können. Im Ordensleben sieht man nun im Auftrag des Oberen den Auftrag Christi. Man gehorcht den Menschen, die einem übergestellt sind, nicht um Menschen zu gefallen, sondern um Gott zu gefallen.

 

Das Leben

Man unterscheidet kontemplative (beschauliche) und äußerlich aktive Gemeinschaften.

Die kontemplativen Orden widmen ihre Zeit neben der Sorge um die Lebensbedürfnisse, vor allem dem Gebet und sind dabei oft an ein festes Kloster gebunden, das sie nicht mehr verlassen. Die anderen Gemeinschaften verwenden die neben den täglichen Gebeten verbleibende Zeit an irgendeine Form des Apostolates und caritativen Dienstes (z.B. Glaubensunterweisung, Schulen, Krankenhäuser, Entwicklungsarbeit usw.)

Gewöhnlich gehört dazu bei allen Gemeinschaften der tägliche Besuch der heiligen Messe, eine geistliche Lesung, der Rosenkranz und eine angemessene Zeit des betrachtenden Gebets (kurz Betrachtung). Je nach Zielsetzung der Gemeinschaft gehören dann noch weitere Gebetsübungen hinzu (z.B. das Stundengebet, der Kreuzweg).